Die Geschichte der Hörgeräte
Erinnern Sie sich noch, als Sie vor vielen Jahren die Hörgeräte Ihrer Eltern oder Großeltern entdeckten? Ihre erste Reaktion war mit ziemlicher Sicherheit: Die sind ja groß! Seitdem hat sich in der Welt der Hörgeräte viel geändert. Doch zu Beginn der Hörgeräte mussten die Träger noch große, unhandliche Kästen (ähnlich platzsparend wie ein Koffer) mit sich herumtragen. Nichts im Vergleich zu unseren digitalen Hörgeräten, die unauffällig im oder am Ohr sitzen und eine fast perfekte Geräuschwiedergabe ermöglichen.

Doch zu damaligen Zeiten waren Hörgeräte vor allem eins: schwer. Sie bestanden typischerweise aus separatem Mikrophon, Verstärker, Kopfhörern und einer riesigen Batterie. Am besten funktioniere es, wenn es auf einem Tisch stand und mit Kopfhörern benutzt wurde – mehr als umständlich! Die große Batterie hielt zudem nur wenige Stunden. Im Hinblick auf den Preis lässt sich sagen, dass der Preis viele Menschen von einer Anschaffung abhielten. Sie konnten sich schlicht kein Hörgerät leisten.

Das erste tragbare Hörgerät

Das erste Hörgerät kam 1899 „auf den Markt“. Unhandlich wie beschrieben stieg die Nachfrage nach praktikableren Geräten schnell ins Unermessliche – und bereits drei Jahre später, 1902, gab es das entsprechende Angebot. Die neuen Geräte waren leichter und funktionierten besser als die früheren Modelle.

Klein damals und klein heute sind jedoch weiterhin zwei verschiedene Paar Schuhe. Denn klein zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutete, dass der Verstärker und die Batterien um den Hals gehängt und das Mikrophon mit der Hand gehalten wurde. Die Personen, mit denen sich die Hörgeräteträger unterhielten, wussten beim Anblick genau, wie stark die Schwerhörigkeit war. Denn die Größe des Mikrophons variierte je nach Stärke der Schwerhörigkeit! Stark schwerhörigen Personen blieb also nichts anderes übrig, als sehr große Mikrophone mit sich herumzutragen. Ein besonderer Anblick!

Der revolutionäre Transistor

Die Erfindung des tragbaren Hörgerätes im Jahr 1902 führte dazu, dass dieses, wenn auch noch unhandliche, Hörgerät bis weit in die fünfziger Jahre verkauft und genutzt wurde. Durch den neuartigen Transistor aus dem Jahre 1947 wurde die Technologie der Hörgeräte allerdings revolutioniert – sie wurden kleiner und besser! Höhere Verstärkerkraft, langlebigere Batterien und geeigneteres Material führten dazu, dass der Transistor nach kürzester Zeit bereits hinter oder über dem Ohr getragen werden konnte! Vorbei waren die Zeiten des „Koffertragens“ und der Zuschaustellung des Grades der eigenen Schwerhörigkeit.

Der Transistor war der Beginn einer Zeit, in der immer neue Technologien entwickelt und weitergedacht wurden. So konnten ab den sechziger Jahren kleine „Im-Kanal-Hörgeräte“ gekauft werden, die zwar etwas unzuverlässiger waren, aber einem stetigen Wandel unterzogen waren. Und – ganz wichtig – sie waren einfach diskreter.

Digital-Technik

Für die Tonverarbeitung wurde in allen Hörgeräten analoge Technologie verwendet. Die stetige Entwicklung digitaler Tonverarbeitung verbesserte die Effizienz von Hörgeräten deutlich.

Ein winziger, programmierbarer Computer kann unterschiedliche Tonsignale verstärken, wodurch sich die Hörfähigkeit des Trägers erheblich verbessert.

Der Beginn des digitalen Booms fand in der Mitte der achtziger Jahre statt. Diese Hörgeräte waren noch etwas umständlich in der Handhabung, konnten jedoch mit der Zeit – ab den 1990er Jahren – immer mehr überzeugen. Ab dieser Zeit konnten die kleinen Geräte entweder im oder diskret hinter dem Ohr getragen werden.

Technologischer Fortschritt hat es möglich gemacht, innerhalb von rund 120 Jahren das Hörvermögen hörgeschädigter Personen so zu verbessern, dass sogar stark schwerhörige Personen ein nahezu normales Leben führen können. Digitale Hörgeräte ermöglichen heute eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität hörgeschädigter Menschen.